2026-10-30
Fondue um zehn: Käse, Wein und die Nacht danach
Von Marietta

Der erste Schnee liegt auf den Bergen, die Abende werden länger, und in der ganzen Schweiz holen die Menschen das Caquelon aus dem Schrank. Endlich wieder Fondue-Saison! Oder Raclette, oder, wenn man ganz mutig ist, beides an einem Wochenende.
Und dann liegt man um Mitternacht im Bett, der Bauch fühlt sich an wie ein Bergmassiv, und man träumt von einem tanzenden Gruyère. Kommt euch das bekannt vor?
Macht Käse wirklich Albträume?
Es ist einer der hartnäckigsten Mythen überhaupt: Käse am Abend sorgt für Albträume. In Grossbritannien wurde das vor gut zwanzig Jahren sogar untersucht, mit Freiwilligen, die vor dem Schlafen ein Stück Käse gegessen haben. Ergebnis: kaum Albträume, dafür teilweise sehr lebhafte Träume. Kleines Detail am Rande: Bezahlt hat die Studie, Überraschung, der britische Käseverband.
Der Käse selbst ist also nicht der Bösewicht. Das Problem ist eher, wann und wie viel wir davon essen.
Was dem Schlaf wirklich zu schaffen macht
Ein Fondue ist reichhaltig und kommt oft erst spät auf den Tisch. Der Magen hat also noch Schwerstarbeit vor sich, wenn wir eigentlich schon schlafen wollen, und der Körper kann sich schwer auf Erholung konzentrieren, solange die Verdauung auf Hochtouren läuft.
Dazu kommt der Wein. Er macht zwar schön schläfrig, sorgt aber in der zweiten Nachthälfte dafür, dass der Schlaf unruhiger wird. Wer nach einem langen Fondue-Abend um drei Uhr hellwach ist, weiss, wovon ich rede.
Tee oder Wein?
Und jetzt mein liebster Fun Fact. Am Universitätsspital Zürich haben Forschende tatsächlich untersucht, was man zum Fondue trinken sollte: Weisswein oder Schwarztee, und danach Kirsch oder Wasser. Das Ergebnis: Mit Tee verliess das Fondue den Magen schneller als mit Wein. Bauchweh hatten übrigens beide Gruppen gleich wenig. Die Teetrinker unter euch dürfen sich jetzt trotzdem ein kleines bisschen bestätigt fühlen.
Mein Rezept für einen schlaffreundlichen Käseabend
Früher essen ist die halbe Miete. Wer um sieben statt um zehn am Caquelon sitzt, schläft entspannter, und zwei bis drei Stunden zwischen der letzten Gabel und dem Kopfkissen tun dem Magen gut. Danach zehn Minuten an die frische Luft, das hilft der Verdauung und sieht im Schnee auch noch schön aus. Und zu jedem Glas Wein ein Glas Wasser oder Tee, dann ist die Nacht deutlich gnädiger.
Fondue gehört zum Schweizer Winter wie der Nebel zum November, und niemand sollte darauf verzichten müssen. Mit etwas Timing schläft man danach trotzdem wunderbar.
Und falls doch ein Gruyère durch deine Träume tanzt: Geniess es, es gibt schlimmere Albträume.
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